Die Wiener Klassik
Die Musik Joseph
Haydns gehört zur musikalischen Gattung der Wiener Klassik, zu deren
wichtigsten Vertretern auch Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van
Beethoven zählen. Überdies bestimmten Komponisten wie Johann Christian
Bach, Leopold Mozart, Antonio Salieri und Michael Haydn die musikalische
Entwicklung dieser Epoche. Die Zeit der Wiener Klassik erstreckt sich in
etwa von Beginn des Schaffens von Haydn an bis zu Beethovens Tod. Durch
die Bezeichnung dieser Gattung wird die Bedeutung der Werke der
Komponisten Haydn, Mozart und Beethoven deutlich, da der Begriff
“klassisch”, der auch für andere Musikepochen gebraucht wird, mit
“musterhaft”, “einmalig” oder “vollendet” erklärt werden kann.
Die Wiener Klassik
charakterisiert sich dadurch, dass drei der bedeutendsten Komponisten der
abendländischen Musikgeschichte in etwa zur gleichen Zeit und auch am
gleichen Ort, nämlich im Großraum von Wien, lebten. Die freiheitlichen und
humanistischen Gedanken der Aufklärung waren vor allem für Haydn und
Mozart prägend.
Haydn, Mozart und
Beethoven übernahmen voneinander zwar teilweise kompositorische
Anregungen, trotzdem entwickelte jeder von ihnen seinen eigenen
charakteristischen musikalisch persönlichen Stil.
Die
Instrumentalmusik der Wiener Klassik rückt von Beginn an in das Zentrum
des Interesses. Es lassen sich zentrale Bestimmungen des Klassikbegriffes
auf die Gattungen Sinfonie, Klaviersonate und Streichquartett anwenden und
musikalisch konkretisieren. Das einzelne Musikstück ist nicht mehr nur
Beispiel einer Gattung, sondern auch eigenständiges, eigengesetzliches und
einmaliges Kunstwerk. Die reifen Werke Haydns, Mozarts und Beethovens
enthalten auf den ersten Blick widersprüchliche Komponenten, die sich
gegenüberstehen. Man erkennt die Merkmale des “Klassischen” in Form und
Gehalt, Struktur und Ausdruck. Die Musik der Wiener Klassik vermittelt
diese scheinbaren Gegensätze, die dann zu einer ästhetischen Einheit
werden. Die Wiener Klassik produziert die “reine Tonkunst”, die “absolute
Musik” und repräsentiert somit zugleich einen Ausdruck von Freiheit, die
einen umfassenden humanen Sinn ergibt. Nach den jeweiligen
Schaffensperioden der drei Künstler ist die Wiener Klassik in sich
gegliedert. Es lassen sich drei Phasen unterscheiden.
Die erste Phase, die
sogenannte Frühklassik, erstreckt sich etwa von 1760 bis 1780. In dieser
Zeit entwickeln Haydn und Mozart jeweils ihren charakteristischen Stil.
Ihre Werke bleiben zwar den um 1750 aufkommenden Stil- und Gattungsformen
verpflichtet, es beginnt sich aber bereits eine spezifische Richtung zu
entwickeln. Durch eine erstaunliche Differenzierung, Fülle und Prägnanz
heben sich die Werke Haydns, Mozarts und Beethovens von jenen der
zeitgenössischen Komponisten deutlich ab.
Die zweite Phase,
die Hochklassik, erstreckt sich über den Zeitraum von etwa 1780 bis 1815.
In dieser Phase der Klassik entstehen die reifen Werke Haydns und Mozarts
sowie auch die früheren und mittleren Werke Beethovens, des jüngsten der
drei Komponisten. Diese Zeit der Hochklassik muss als dynamischer Prozess
betrachtet werden. Es ist die Folge sich von Werk zu Werk wandelnder,
individueller Gehalte und Strukturen. So kann man auch die Zusammenfassung
Haydnscher und Mozartscher Kompositionen mit den teilweise so
andersartigen Beethovens rechtfertigen.
Die dritte Phase der Wiener Klassik, die
Spätphase, bilden schließlich Beethovens Spätwerke ab seiner
“Klaviersonate A-Dur, op. 101” aus dem Jahre 1816.
Zum Musikleben und Künstlertum zur Zeit der Wiener Klassik
Das Musikleben in
Wien zur Zeit der Klassik wurde geprägt von der Bedeutung der Stadt als
Metropole eines großen Reiches. Zugleich zeichnete sich Wien im Gegensatz
zu Paris und London durch einen gewissen Konservativismus aus. Die
kulturbestimmende Schicht war der Adel. Der kaiserliche Hof war die
zentrale Instanz in Sachen Kultur. Regelmäßige musikalische Aufführungen
fanden in Adelspalästen und auch bei wohlhabenden Bürgern statt. Das
öffentliche bürgerliche Konzertleben übernahm eine zunehmend wichtige
Rolle. Haydn, der sich bereits früh des bürgerlichen Verlagswesens zur
Verbreitung seiner Werke bediente und auch finanziellen Nutzen daraus zog,
erlebte erst während seiner beiden Englandreisen um 1791 bis 1795 den
unmittelbaren, intensiven Kontakt mit dem breiten Publikum. Mozart
hingegen gab schon in seinen frühen Wiener Jahren, um 1781, öffentliche,
teilweise selbst organisierte, Konzerte. Das Programm war durchwegs bunt
gemischt. Vokal- und Instrumentalmusik, Arien, Sinfonien, Duette und
Solokonzerte wechselten einander ab, während nicht selten einzelne Sätze
aus zyklischen Werken herausgegriffen und eingeschobene Improvisationen
zum Besten gegeben wurden. |