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Von
1809 bis 1954 dauerte es, bis das Sterbliche von Joseph Haydn
im Mausoleum der Bergkirche von Eisenstadt seine "letzte
Ruhestätte" gefunden hat:
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Als
Joseph Haydn am 31. Mai 1809 in Wien starb, stand die Kaiserstadt
im Zeichen der Besetzung durch die Franzosen, und da in Zeiten,
in denen die Waffen sprechen, die Musen schweigen müssen,
fand sein Begräbnis in aller Stille statt. Mit allen Ehren,
doch ohne großes Aufsehen wurde dieser Große auf
dem Hundsturmer Friedhof begraben.
Sein
Leichnam ruhte dort - angeblich unberührt und auch vom
Hause Esterházy, dem er sein Leben lang gedient hatte,
unbeachtet - über ein Jahrzehnt lang. Erst 1820, nachdem
der Herzog von Cambridge nach einer Aufführung des Haydn
- Oratoriums "Die Schöpfung", der er anlässlich
eines Besuches in Eisenstadt beigewohnt hatte, ausgerufen haben
soll:"Wie glücklich
der Mann, der diesen Haydn im Leben besessen hat und noch im
Besitz seiner |
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irdischen Reste ist!", ist das Haus Esterházy wieder
auf seinen Diener aufmerksam gemacht worden und beschloss, Haydns
Gebeine nach Eisenstadt überführen zu lassen.
Doch
als man Haydns Grab öffnete, war die Überraschung
groß, denn man musste feststellen, dass der Schädel
des Komponisten fehlte. Die eingeleiteten Erhebungen enthüllten
Grausiges:
Man
stellte fest, dass der fürstlich Esterházysche Sekretär
Joseph Carl Rosenbaum - ein musischer Mensch, aber auch ein
fanatischer Anhänger der "Gall´schen Schädellehre",
die die Meinung vertrat, dass die genialen Fähigkeiten
eines Menschen im Schädel ihren Sitz haben und so nachweisbar
sind - den Totengräber Jakob Demut bestochen und den Gefängnisverwalter
Johann Peter sowie die Wiener Beamten Ignaz Ullmann und Michael
Jungmann beauftragt hatte, acht Tage nach Haydns Begräbnis
das Grab zu öffnen und dem Leichnam den Kopf abzutrennen. |
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Sie
erfüllten den Auftrag so genau, dass es trotz aller Nachforschungen
zunächst nicht möglich war, den Aufbewahrungsort des
Haydn - Schädels zu eruieren, so dass Joseph Haydns Leichnam
zunächst ohne Cranium nach Eisenstadt überführt
und in einer Gruft unter der Bergkirche bestattet wurde.
Ein
Schädel, der später von Johann Peter als "Haydn
- Schädel" der Polizei übergeben wurde und in
aller Stille in Eisenstadt zu Haydns Gebeinen in den Sarg gelegt
wurde, erwies sich als falsch, denn der echte Schädel befand
sich im Besitz von Joseph Carl Rosenbaum, und dieser übergab
ihn auf dem Totenbett seinem Freund Peter mit dem Auftrag, die
Reliquie dem Musikkonservatorium zu vermachen.
Doch
es dauerte noch eine Weile, bis der Schädel Joseph Haydns
ein Museumsobjekt wurde. Karl Semmelweis hat diese "Wanderfahrt"
in einem 1954 erschienenen Aufsatz folgendermaßen geschildert:
Peter versprach es und legte in seinem Testament dies mit folgendem
Satz fest: "Übergeben an das genannte Musikkonservatorium
soll dieser Kopf des |
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Haydn, welches ich mit dem Eid, so wahr mir Gott helfe, beteuere,
dass er derselbe ist, erst nach meinem Tode aus dem Grunde werden,
um wegen dieser Handlung, die mir gut scheint, vor Verfolgung
mich zu bewahren." Aber auch die Witwe Peters wagte aus
Angst vor polizeilicher Verfolgung nicht, den Schädel dem
Wiener Musikverein auszufolgen, sondern übergab ihn dem
Arzt Dr. Karl Haller. Dieser gab ihn dem Anatom Rokitansky weiter,
und erst dessen Erben vollstreckten das testamentarische Vermächtnis
und übertrugen den Schädel der Gesellschaft der Musikfreunde
in Wien, die ihn Jahrzehnte hindurch als kostbares Schaustück
ihres Museums aufbewahrte.
Die
Gruft in Eisenstadt wartete inzwischen. 1909, anlässlich
des 100. Todestages von Joseph Haydn, öffnete man sie,
und nachdem man sich überzeugt hatte, dass der Leichnam
Haydns unversehrt war, soll, wie ein Augenzeuge berichtet, die
Fürstin Esterházy den Befehl gegeben haben, den
Gruftdeckel zu schließen. "Für immer, auf dass
Haydn ruhen könne."
Nun,
er ruhte noch lange nicht. Denn 1932, anlässlich seines
200. Geburtstages, setzten wieder Bestrebungen ein, den Schädel
des Komponisten mit dem Körper zu vereinen. Die Gesellschaft
der Musikfreunde schien durchaus geneigt, sich von ihrer Reliquie
zu trennen und das Haus Esterházy erwies sich seinem
treuen Diener gegenüber generös und errichtete ihm
in der Eisenstädter Bergkirche ein Mausoleum, in dessen
Sarkophag Joseph Haydn 123 Jahre nach seinem Tod endlich seine
letzte Ruhestätte finden sollte.
Alles
war vorbereitet, doch im letzten Augenblick wurde das Vorhaben
verhindert. Der Musikwissenschafter Dr. Otto Biba von der Gesellschaft
der Musikfreunde begründete dies damit, dass die Gesetze
in der Bundeshauptstadt Wien den Transport von Leichenteilen
über die Stadtgrenzen hinaus verboten hätten und widerlegte
damit Gerüchte, wonach sich die Musikfreunde den Schädel
Joseph Haydns abkaufen lassen wollten.
Der
Sarkophag blieb leer, bis 1954 das Burgenland "seinen"
großen Sohn heimholen konnte in die Stadt, in der er über
drei Jahrzehnte lang gewirkt und den Großteil seines unvergänglichen
Werkes geschaffen hat. |
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Das
Burgenland bereitete Joseph Haydn einen triumphalen Empfang.
Die "musikalische Leithalinie" entlang und durch Eisenstadt,
an seinem Wohnhaus und am Schloss vorbei, führte der Weg
des Schädels, und in einem Festakt vereinte ihn dann in
der Bergkirche Gustinus Ambrosi mit den Gebeinen des Komponisten.
Joseph
Haydn war heimgekehrt und hatte nach 145 Jahren seine letzte
Ruhestätte gefunden. Eine Ruhestätte, die in den Jahren,
die seither vergangen sind, Ziel der Pilgerschaft für Hunderttausende
Verehrer des Komponisten geworden ist, eine Ruhestätte,
zu der auch in den nächsten Jahren Tausende
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kommen werden, um Joseph Haydn nahe zu sein und Zwiesprache
zu halten mit ihm und seiner
Musik .... |
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