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Weil jede Oper
einen Namen haben muss, heißt unsere Oper, die wir im Schloss Esterházy
aufführen: ”L’isola disabitata”.
Ganz schön schwierig auszusprechen oder? Naja ist ja auch italienisch und
bedeutet ”Die unbewohnte Insel”. Zu meiner Zeit um 1779 war es eben cooler
Opern in italienischer Sprache aufzuführen. Ganz so unbewohnt ist diese
geheimnisvolle Insel ja nicht, aber davon später. Am besten, ich fange
einmal an, diese Geschichte (eine echte Liebesgeschichte), zu erzählen.
Gernando und Costanza hatten sich vorgenommeneine Schiffsreise in die Südsee
zu unternehmen. Als dasCostanzas kleine Schwester Sylvia gehört hatte,
wollte sie selbstverständlich mitfahren. Alles wurde einge-packt und schon
ging es los. Halt, stop
retour! Sylvia hatte ihr
Lieblingskuscheltier Bamby vergessen. Ohne Bamby konnte und wollte sie nicht
fahren. Im Hafen hatte schon das Schiff ungeduldig gewartet, schnell an Bord
und Leinen los! Die Fahrt war anfangs sehr ruhig, später kam ein gewaltiger
originaler Sturm auf. Den Passagieren wurde so schlecht, dass nicht ein-ma
die besten Reisetabletten der Welt geholfen hätten. Gott sei Dank retteten
sich Gernando, Costanza und Sylvia auf unsere ”Unbewohnte Insel”. Nach der
Hektik und der unangenehmen Schaukelei ruhten sich unsere Helden aus und
schliefen ein. Plötzlich kamen Seeräuber und verschleppten den armen
Gernando und verkauften ihn irgendwohin als Sklave, während Costanza und
Sylvia friedlich schlummerten.
Ihr
werdet es nicht glauben, aber Costanza wartete nun schon 12 Jahre auf ihren
Gernando und war sehr, sehr traurig. Sylvia hingegen fand die Insel
aufregend, weil man dort tolle Abenteuer erleben konnte. Wenn es ihr doch
einmal zu langweilig wurde, malte sie lustige Bilder oder baute riesige
Sandburgen. Costanza war eigentlich die ganze Zeit traurig. Na klar, sie
wusste auch nicht wo ihr Gernando steckte, Mobiltelefone gab es damals noch
nicht, und leider kamen nicht einmal Fischer, Briefträger oder blöde
Seeräuber in die Gegend, denen man etwas erzählen konnte. Niemand kam zu
Besuch, einfach tote Hose. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie wütend
Costanza auf Gernando war. Und überhaupt auf alle Männer dieser Welt, von
Eisenstadt bis zum Mond. In ihrer Wut ritzte sie eine Botschaft in einen
Stein, die folgendes besagte: ”Wenn sich doch noch irgendeiner auf diese
Insel verirren sollte und den Gernando irgendwo zufällig trifft, soll er ihm
ausrichten, dass sie erstens bereits vor Gram und Wut verschimmelt sei, und
zweitens überhaupt die Nase voll hat von der blöden Warterei. Drittens: Und
überhaupt ist es sehr heiß. Unfreundliche Grüße, Deine Ehemalige Costanza.”
Naja, zu ”erstens” kam es ja Gott sei Dank nicht, obwohl sie es schon in den
Stein geritzt hat.
Eines
Tages sah Sylvia, wie sich ein komisches Ding mit eigenartigen Gestalten am
Horizont näherte. Was das war? Na klar, ein Schiff mit Menschen. Was glaubt
ihr, wer die wohl waren? Logo! Gernando ist zurückgekommen und hat gleich
seinen besten Freund Enrico mitgebracht. Die beiden suchten sofort auf der
ganzen Insel nach Costanza. Gernando im Norden, Enrico im Süden. Eigentlich
war es egal wer wo suchte. So groß war die Insel ja auch wieder nicht.
Gernando fand niemanden. Aber Enrico fand Sylvia. Unter uns gesagt, die
beiden verliebten sich sofort ineinander. Sylvia fürchtete sich anfangs vor
Enrico, sie war halt schüchtern, ihr wisst ja wie das ist. Gernando las
inzwischen die Inschrift, welche Costanza hineingeritzt hatte. Allerdings
nur bis zum Punkt ”erstens” (”Bin bereits verschimmelt”). Das kommt davon,
wenn man nicht genau liest. Er glaubte Costanza sei wirklich verschimmelt.
Er zeigte die Inschrift seinem Freund Enrico, nett wie dieser war, hat er
ihn sofort getröstet, und ihm aber auch gesagt, dass er in Zukunft genauer
lesen soll. Außerdem ist die Inschrift noch nicht fertig. Später hat
Gernando seine Costanza doch wiedergefunden, danach gab es zwar wieder
einige Missverständnisse, aber schließlich klappte es doch. Ihr könnt Euch
deren Wiedersehensfreude sicher vorstellen. Inzwischen hat auch Enrico die
Sylvia gefragt, ob sie ihn auch mag. Sylvia beantwortete dies zaghaft (sie
kannte ihn ja noch nicht so lange) mit ”ja”. Die Vier beschlossen gemeinsam
die Insel zu verlassen und wieder nach Europa zurückzukehren. Ende gut alles
gut.
Ihr
könnt ja einmal versuchen diese Oper nachzuspielen. Eine Schere und ein
bißchen Klebstoff und los geht’s.
Viel
Spaß!
Euer
Joseph
Haydn
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